Hunde-Mode

Wenn's der Rütter nicht schon erfunden hätte – es wäre von mir gekommen, das T-Shirt für Hundebesitzer. Zugegeben, die besten Sprüche sind schon vergeben (Vorderseite des Shirts: „Der tut nix, der will nur spielen!“ / Rückseite: „Oh, das hat er ja noch nie gemacht...“), aber ich könnte mir das Ganze auch noch wesentlich individueller vorstellen.

 

Hintergrund meiner Überlegungen: Donna, unsere 2. Neufundländerhündin. Eine Seele von Hund, ausgesprochen tolerant gegenüber anderen Hunden, manchmal aber auch schlicht überfordert. Welpen tanzten ihr sprichwörtlich auf dem Kopf herum, zwickten ihr in die Lefzen, und sie duldete es. Der Nachbarshund kläffte sie an, kläffte ihr auch noch hinterher, als wir schon längst an ihm vorbei waren – Donna trottete weiter, als sei nichts geschehen. Die Gutmütigkeit in Person halt.

 

Irgendwann wurd's ihr aber ganz offensichtlich doch mal zu bunt. Aufhänger erneut der Nachbarsköter, wieder nach dem gleichen Muster: wir nähern uns friedlich, der Hund bellt, was die alten rostigen Stimmbänder noch hergeben. Wir gehen vorbei, er kläfft hinterher – wie schon Dutzende Male zuvor. Heute aber brennen der Donna plötzlich sämtliche Sicherungen auf einmal durch: blitzschnell und ohne Vorwarnung fliegt sie herum, und 50 kg schwarze Hundemasse donnern in einer Mordsgeschwindigkeit auf den kleinen Köter. Dem bleibt nichts übrig, als sich unter lautem Gewinsel in eine Demutshaltung zu werfen. Nichts ernsthaftes passiert, aber Donna will nur mal ganz grundsätzlich klargestellt haben, wo hier oben und unten ist.

 

Seit diesem Tag gab's bei Donna keine bedingungslose Toleranz mehr. Und wenn ein Hund ihr auch nur einmal irgendwie schräg gekommen war, war gleich die ganze Rasse komplett bei ihr unten durch, aber so was von durch! Mit den Retrievern fing's an: einer blöd – alle blöd. Bei den Schäferhunden ging's weiter mit der Sippenhaft.

 

Und natürlich muss uns auf einem engen Bürgersteig auch prompt ein Schäferhund begegnen. Da fünfzig Kilo aufgebrachter Neufundländer nicht ganz so leicht zu halten sind, wechsle ich also vorsichtshalber auf die andere Straßenseite. „Sie brauchen keine Angst zu haben: der beißt nicht!“ ruft mir der Schäferhundbesitzer noch zu.

Allein sein überheblicher Tonfall und sein Grinsen schreien nach einem T-Shirt, das ich jetzt gern hätte: „Ihrer vielleicht nicht – aber meiner ist 'ne BESTIE!“

 

Für jeden unserer Hunde – oder vielmehr für mich anderen Ende der Leine – hätte ich gern ein T-Shirt gehabt, weil ich's irgendwann leid war, uns erklären zu müssen. Hier meine Liste:

Yoko: „Nee, die hat keinen Turnschuh gefressen.“

Donna: siehe oben.

Siska: „Geht direkt auf Kehle!“ (Das war zumindest der Vorschlag meines Cousins...)

Ron: Vorderseite: „Bitte gehen Sie mit Ihrem Hund einfach weiter!“; Rückseite: „Danke für Ihre Ratschläge, aber wir haben schon einen Hundetrainer!“

 

Bei Joey bin ich mir allerdings noch nicht 100%ig sicher bezüglich der infrage kommenden Sprüche, er ist ja auch noch nicht ganz so lange bei uns.

Olaf meint ja, er kauft ein Shirt vom Rütter und streicht die Worte „Der will nur spielen“ einfach durch. In meine engere Wahl kommt dagegen: „Reinrassiger rumänischer Angsthase“ (ich weiß, das hatten wir schon, finde ich aber nach wie vor gut) oder: „Ich find's auch merkwürdig, aber er steht nun mal auf Rüden.“

Was ich aber definitiv schon jetzt in Auftrag geben kann, ist:

 

Ich schwöre: als wir vor zwei Stunden losgingen, war er noch WEISS!“

Joey, Smeura, Rumänien, Tierhilfe Hoffnung

Und ich denke noch, als der Hund sich völlig euphorisch auf dem frisch gegrubberten Acker wälzt: Lass' ihm mal den Spaß, ist ja nur Sand...

Nee. War auch noch Mist drunter. Später am Abend steht der Joey dann ratlos vor uns und kann so gar nicht verstehen, dass ihn heute keiner mehr herzen will...

Naja, vielleicht überwinde ich mich später mal und gehe dann direkt duschen, heißes Wasser gibt’s schließlich genug...

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